Entdeckungen rund um Kapstadt, auf dem Tafelberg und im Weinanbaugebiet von Stellenbosch, über den Chapmanns Peak Drive nach Hout Bay zum Sundowner am Fuße der Zwölf Apostel 

Eine ganze Welt in einem Land, das gibt es wirklich!

Südafrika in ein paar Wochen kennenzulernen ist nicht möglich denn es bietet zu viele Facetten an Menschen, Kulturen und Landschaften. Hier ist ein buntes Durcheinander  von Menschen aller Nationalitäten, Hautfarben und Kulturen. Aber auch ein Land der krassen Gegensätze wie z.B. in Kapstadt die Waterfront oder das Township Khayelitsha was soviel wie -Neue Heimat- bedeutet!

Ist es wirklich es gestern Abend gewesen, das wir dem naßkalten Deutschland den Rücken gekehrt haben und heute, an einem strahlenden Sommermorgen, am Flughafen von Kapstadt stehen. Fast unglaublich, aber zu unserem Glück ist es Realität.

Im Moment müssen wir allerdings erst einmal schauen wo es den Mietwagen gibt, das ist zum Glück am Airport in Capetown keine große Sache. Der Flughafen ist klein und überschaubar d.h. mit einem Blick hat man fast alles gesehen. Wir werfen wir einen ersten Blick zum wolkenverhangenen Tafelberg, aber der muß erst einmal warten denn unsere Fahrt führt heute erst einmal in die entgegengesetzte Richtung. Auf der N2 verlassen wir den Flughafen in Richtung Somerset West um dann kurz vorher auf die R44 abzubiegen die Richtung Stellenbosch führt.

Wir kommen an Schildern vorbei die so ohne weiteres nicht zu deuten sind wie z.B. „Eerste Rivier“, aber wir haben uns ja vorher informiert und deshalb wissen wir das die Bezeichnung aus der Zeit der Besiedlung Südafrikas durch die Buren stammt. Auf ihren Streifzügen Richtung Norden, von Kapstadt aus, war hier der erste Wasserlauf den sie durchqueren mussten, deshalb „Eerste Rivier“ (erster Fluß).

Ja, und hier auf der R44 ändert sich dann auch sehr schell die Umgebung, wir fahren durch eine sanfte Hügellandschaft und Karola meint „wie am Kaiserstuhl, ganz genau so“ doch auch irgendwie anders! Richtig, es sind die gegiebelten Gutshäuser die überall verstreut in den Weinbergen stehen und z.T. sogar noch mit Reet gedeckt sind, das ist der typisch kapholländische Baustil.

Etwa fünf Kilometer vor Stellenbosch verlassen wir die R44 und biegen recht in die Weinberge ab, und dann können wir unsere Hütte auch schon sehen. Hütte, ist wohl ein maßlose Untertreibung, es ist eines dieser alten gegiebelten Gutshäuser mitten im Weinberg. Der ganze Hofbereich überdacht eine Pergola die mit Wein bewachsen ist. Wir können sozusagen während wir Gehen die Weintrauben von oben pflücken. Ja und dann kommen uns auch schon Maureen und Martha entgegen, die beiden sind hier für alles und jedes zuständig. Wir werden mit einer Herzlichkeit begrüßt, so als ob wir nur einmal für ein paar Wochen weggewesen wären und jetzt nach Haus kämen, das ist Klein-Akkerdraai. Das Haus hat drei sehr große Gästezimmer und ein angebautes Flat, dazu noch eine Essküche mit offenem Kamin. Die Essküche geht nahtlos in einen großen Wohnraum mit Sitzgelegenheiten, einem Flügel und einem weiteren Kamin über. Wir fühlen uns alle gleich wie Zuhause und dies ist immer ein sehr gutes Zeichen. Ums Haus herum sind riesige Weinfelder, und da gerade Erntezeit ist sind ganze Geschwader von Pflückern unterwegs. Karola verkündet das sie sich in den nächsten zwei Stunden nicht mehr von der Stelle rühren wird und setzt sich an einen der Tische unter der Pergola. Einer guten Idee sollte man nicht widersprechen und so setzten Christa und ich uns auch noch dazu. Martha bringt noch eine große Kanne mit Roibos Tee und jede Menge Weintrauben, so vergeht die Zeit wie im Fluge. Irgendwo in der Nähe ist noch ein Pferdestall und so wird die vollkommene Ruhe nur ab und an vom Wiehern eines Pferdes unterbrochen.

„Wie wäre es noch den Sonnenuntergang am Meer zu sehen“ fragt Christa, eine gute Idee denn afrikanische Sonnenuntergänge sind immer etwas besonderes. Irgendwie waren wir etwas weggetreten aber dies Frage macht uns alle wieder wach und mobil, aber zuvor muss erst noch die Frage des Abendessens geklärt werden. Martha meint es sei wohl besser einen sich zu reservieren, denn noch sie Saison und könnten sonst Platzprobleme bekommen, eine Meinung die sich unterwegs immer Wiede bestätigt hat. Karola, die nicht zum erstmal hier ist und sich schon etwas auskennt  ruft kurzentschlossen in Stellenbosch bei -Decameron- an und lässt einen Tisch für den Abend Reservieren. Nachdem dieses Problem nun gelöscht ist fahren wir hinunter nach Strand und hier ist an der Beach der False Bay Sundowner-Highlife angesagt. Also erst einmal alles von den Füßen und dann ……….. es ist schon ein veedammt angenehmes Gefühl so mit den bloßen Füßen immer an der Wasserlinie entlang im Sand zu laufen. Ab und zu kommen größere Wellen die die Füße und Beine überspülen aber nicht kann den Kreislauf mehr anregen zumal das Wasser angenehm warm ist.

Rechts von uns sehen wir die Kap-Halbinsel, die sich noch weit Richtung Süden erstreckt und auch hier bemerken wir die gleich merkwürdige Wolkenbildung die für den Tafelberg so typisch ist, das Tischtuch!

Ja, und dann der Sonnenuntergang, erst langsam und dann immer schneller fällt der Sonnenball ins Meer. Abe wer jetzt weggeht hat die Hälfte verpasst. Denn sowie die Sonne am Horizont im Meer versunken ist fangen die Hottentots Hollands, die Gebirgskette, rot an zu glühen, dieses rot wird zu einem dunkelrot und dann zu einem lila was sich dann allmählich ins schwarze verfärbt. Ein unvergesslicher Anblick der jeden Abend auf neue die Zuschauer fasziniert!

Karola meint jetzt müssten wir aber so allmählich Gas geben, denn vor dem Essen geht es erst noch einmal nach Klein-Akkerdraai, was aber sowieso am Wege liegt, zum umziehen, denn mit Salzrändern und Sand an den Beinen ist man nicht so ganz zum Essen bereit, und dann ab nach Stellenbosch. Hier geht es dann wie so oft, man ist schon einigemale am gleichen Ort gewesen und glaubt genau zu wissen wo was liegt, und wenn man dann da ist muss man doch wieder suchen. So geht es uns auf jeden Fall, einigemale die Dorpstraat in Stellenbosch rauf und runter, kreuz und quer, dann ist die Orientierung wieder da und wir landen direkt bei Decameron, nur etwas später wie geplant! Ein Glück das wir reserviert hatten, das Lokal ist voll und Gäste die nicht reserviert haben werden mit der Bemerkung „Sorry, fully booked“ wieder weggeschickt.

Bei der Rückfahrt durch Stellenbosch kommen wir auch an der Kirche vorbei und Karola meint, das seit ihrem letzten Besuch die Kirche wohl neue Fenster bekommen hat. Das Glas de Kirchenfenster ist jetzt von einem solchen Blau das mich unwillkürlich an ein Badezimmer erinnert, aber so wird es wohl doch nicht gemeint sein!

In Klein-Akkerdraai ist schon die Ruhe der Nacht eingekehrt und wir werden von gedimmtem Licht  und Musik aus der Stereoanlage empfangen. Es ist hier Tradition das der letzte Gast, der abends nach Hause kommt die Musikanlage ausschaltet und das Licht ausmacht, es ist halt wie Zuhause (der letzte macht das Licht aus)!

Gaaa …..nz vorsichtig einmal die Augen geöffnet, tatsächlich es ist schon morgen und die Sonne scheint richtig strahlend hell ins Zimmer. Was hatten wir noch Maureen gesagt, richtig, so gegen 8.30 Uhr wollten wir frühstücken, dann wird es jetzt aber Zeit so allmählich in die Eisen zu kommen. Ein weiterer Blick aus dem Fenster sagt mir das schon jede Menge anderer Menschen fest bei der Arbeit sind, d.h. rund ums Haus ist die Weinlese voll im Gange. Mein nächster Blick gilt dem Tafelberg, hat er sein Tischtuch aufgelegt oder ist  er frei? So ganz kann er sich offensichtlich noch nicht entscheiden.

Beim Frühstück kurze Lagebesprechung und dann der Entschluss es heute am Tafelberg einmal zu versuchen. Also Aufbruch Richtung Capetown, das bedeutet zuerst wieder über die R44 und dann über die N2. Bevor wir die Stadt erreichen führt die N2 an Khayelitsha, dem größten Township von Capetown , vorbei, hier sollte man vorsichtig fahren da mit Menschen auf der Autobahn immer zu rechnen ist. Die Straße ist vierspurig und links und rechts von einem Zaun begrenzt. Zusätzlich befindet sich auf dem Mittelstreifen eine ca. 2,50 mtr. hohen Betonmauer, aber nichtdestotrotz versuchen immer wieder Menschen die Autobahn zu überqueren. Dieses Problem verschärft sich noch bei Dunkelheit und an den Wochenenden. Jeden Monat sterben hier, an diesem verhältnismäßig kurzen Stück Autobahn, einige Menschen.

Einer fährt, der andere liest laut den Stadtplan mit den Straßennamen und der dritte achtet mit auf die Straßenbezeichnungen, mit dieser Arbeitsteilung sind wir hervorragend gefahren und vorwärtsgekommen, so auch durch Kapstadt und dann via Kloof Nek zu Kreisverkehr wo es rechts zum Signal Hill und links zur Talstation der Cable-Way geht. 

Bei der Talstation der Cable-Way auf den Tafelberg haben wir erstaunlicherweise schnell einen Parkplatz gefunden und stellen erfreut fest das kaum Andrang ist, d.h. im Moment steht überhaupt niemand an der Kasse. Christa meint „Toll, jetzt kann ja nicht mehr viel schiefgehen, denn oben ist ja auch alles frei (kein Tischtuch). Aber wenn alles so glatt geht ist das schon fast verdächtig und richtig, an der Kasse hängt ein Schild das die Bahn bis um 1 PM geschlossen ist. Aber der Mensch ist von Natur aus neugierig und will immer wissen „warum“, da sind wir keine Ausnahme und so erfahren wir das oben auf dem Plateau eine Gedenkmünze enthüllt wird und die Gondelbahn nur für die geladenen offiziellen Gäste eingesetzt wird. „Sicher werden jetzt wieder große Reden geschwungen und anschließend Sekt getrunken“ sage ich etwas sauer, und Christa meint etwas boshaft das jetzt der beste Zeitpunkt für eine dunkle Wolke auf dem Plateau sei und vielleicht könnten ja aus dieser Wolke rein zufällig ein paar Regentropfen fallen. Aber was solls wir müssen halt unsere Planung für heute umstricken, aber da sind wir ja erfahren drin.

Karola meint „Dann fahren wir heute halt nach Nordhoek, wo ein endlose langer Sandstrand mit kaum Menschen auf uns wartet“. Also auf nach Nordhoek, aber nicht über Hout Bay, sondern zuerst Richtung Muizenberg, dann Richtung Kommetjie und endlich nach Nordhoek. Ja, und hier werden wir nicht enttäuscht, ein tatsächlich endloser Sandstrand, an dem sich sie Wellen des Atlantik brechen, dehnt sich vor uns aus. Also wieder Schuhe und Socken von den Füßen und was gibt es schöneres als schon wieder entlang der Wasserlinie zu laufen. Kein Mensch ist am Strand zu sehen, doch halt, da ganz in der Ferne sind bewegende Punkte zu erkennen, die schnell Näherkommen. Es sind Strandreiter die mit ihren Pferden durch die flachen Wellen an der Wasserlinie entlanggaloppieren und das Wasser hoch aufspritzen lassen, ein toller Anblick!

In der Ferne können wir Kommetjie sehen und es scheint gar nicht so weit zu sein bis dorthin. Aber wir wissen ja das am Meer oder an langen Sandstränden, wo das Auge keinen festen Bezugspunkt hat, die Entfernungen stark täuschen können. Und richtig, wir sind jetzt schon eine Stunde unterwegs und die Entfernung hat sich optisch noch nicht entscheidend verringert. Ich schätze das wir noch gut 2-3 Stunden laufen könnten um nach Kommetjie zu kommen. Aber da wollen wir heute auch gar nicht mehr hin denn die ganze Strecke muss ja auch wieder zurückmarschiert werden.

„Jetzt sollten wir uns aber wieder auf den Rückweg machen“ meine ich nach etwas 2 Stunden und alle sind damit einverstanden, so laufen wir wieder gegen 16 Uhr bei unserem Auto ein. Hier sehe ich dann gleich das bei mir mein Sonnenschutzmittel „versagt“ hat, und zwar an den Füßen. Es sollte zwar wasserfest sein, war es aber offensichtlich nicht. Den ständigen Wellen an den Füßen war es anscheinend nicht gewachsen. Auf jeden Fall habe ich mir auf der Fußoberseite einen kräftigen Sonnenbrand eingefangen der mich die nächsten Tage noch heftig ärgern und schmerzen wird. Da gibt es halt nur eins, Sonnenschutzmittel entsorgen und ein zuverlässigeres erstehen.

Karola kennt ganz in der Nähe ein kleines Café und so fallen wir dort ein. Wer es nicht kennt fährt mit Sicherheit daran vorbei obwohl es direkt an der Straße liegt, aber gut hinter Hecken und Büschen versteckt. Es tut gut nach einem so langen Strandspaziergang, der sich über einige Stunden erstreckt hatte, etwas erfrischendes zu trinken. Seit meinem Aufenthalt in Botswana schwöre ich auf „Rock Shandy“ ein alkoholfreies Getränk.

„Wo kommen eigentlich die ganzen Leute her“ fragt Karola, ja richtig, auf einem schmalen Weg, der irgendwo im Gebüsch verschwindet ist richtig Betrieb. Da Neugierde eine ganz wichtige menschliche Eigenschaft ist wollen wir nun auch feststellen was da hinten „im Strauch“ los ist! Ja das ist ja toll, weiter hinten sind einige kleine Geschäfte die Kunsthandwerklich Gegenstände anbieten. Natürlich die allgegenwärtigen Holzschnitzer, aber auch Topf- und Flechtwaren werden hier angeboten bzw. produziert. Hier hat auch eine junge Frau aus Bayern ihren Shop eröffnet die, nachdem sie uns als Deutsche erkannt hat, einiges zu erzählen weiß. Und so vergeht der Nachmittag mit süßem Nichtstun, aber wir wollten es ja sowieso langsam angehen lassen.

Die Rückfahrt Richtung Hout Bay, einfach nur toll! Die Straße windet sich auf halber Höhe an einer Steilküste entlang der Felsen. Jede Kurve ein neuer phantastischer Ausblick, das ganze nennt sich „Chapmanns Peak Drive“. Links von uns geht es ca. 100 mtr. abwärts, wo sich dann die Wellen des Atlantik an den Felsen brechen, und rechts von uns geht es über 200 mtr. steil aufwärts. Ja und dann vor uns, da ist natürlich wieder diese alte stinkende Rostlaube, die mit 4 Personen besetzt ist und fast regelmäßig nach jeder Kurve stehenbleibt um starke Wasserdampfwolken von sich zu geben. Ob die so jemals den Chapmanns Point erreichen erscheint mir nun doch sehr fraglich! Die Strassentrasse wurde erst vor 70 Jahren in den Fels geschlagen und deshalb sind die Gesteinsschichten noch nicht oxydiert. Wir können die völlig frei liegenden hellen und dunklen Felsschichten erkennen die total unterschiedlich sind. Wir haben den Chapmanns Point erreicht, und dann dieser Ausblick, links die Steilküste, die dann weit im Süden in den flachen Strand von Nordhoek übergeht, rechts ebenfalls Steilküste und noch weiter im Norden können wir nun schon fast Hout Bay mit den „The Sentinel“ erkennen. Hier am Chapmanns Point haben sich nun auch schon die ersten Sundowner Gäste eingefunden. Der Chapmanns Peak, nachdem die Straße benannt wurde, ist 596 mtr. hoch und wo wir jetzt hier stehen fällt der Fels fast lotrecht 160 mtr. in die Tiefe! Heute hier den Sonnenuntergang zu erleben wäre schon phantastisch, aber wir haben dafür eine andere Stelle ausersehen und deshalb geht es schnell weiter, was aber nicht heißen soll das an den unzähligen Vistapoints nicht angehalten und gesehen wird, aber irgendwie müssen wir ja auch weiterkommen!

Karola hat einen Reiseführer konsultiert und so kann sie uns sagen „Ja also, Hout Bay heißt auf deutsch Holzbucht, weil man früher hier die Bäume für den Schiffbau gefällt hat“ , heute ist der Ort allerdings eher für guten Seafood bekannt (Lobster und Fisch).

So allmählich stellen wir uns doch die Frage Ober wir unser Sundowner-Ziel noch rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang erreichen, aber nachdem wir Hout Bay Hinteer uns gelassen haben d.h. der Chapmanns Peak Drive hinter uns liegt, geht es wieder besser vorwärts weil ganz einfach nicht mehr so viele Vista Points an der Straße sind!!! Llandudno, den bekannten Künsterort, lassen wir heute links liegen und dann. ja dann haben wir tatsächlich noch rechtzeitig Camps Bay erreicht. Das heißt wir sind schon auf der Main Street. Das Auto wird einfach am Straßenrand geparkt und dann direkt zum Strand. „Was soll eigentlich all diese Hektik, wir haben doch alle Zeit dieser Welt“ meint Christa, Recht hat sie, irgendwie haben wir uns die letzten Kilometer dahinein gesteigert um rechtzeitig zum Sonnenuntergang zu kommen, aber der läuft uns doch nicht weg, wenn nicht heute dann eben morgen. Also, zwei Gänge zurückgeschaltet,. tief durchgeatmet, und jetzt können wir ganz gemütlich zu den im Meer liegenden Felsen gehen. Die Steine haben noch die Wärme des Tages gespeichert und deshalb läßt sich hier auch sehr angenehm lagern.Bis die Sonne unte3rgeht dauert es noch etwas und jeder hängt im Moment so seinen Gedanken nach, läßt vielleicht den Tag noch einmal Revue passieren oder denkt aber auch einfach einmal an garnichts. Wenn ich so an unsere selbst gemacht Hektik von soeben denke die uns im Alltag in Deutschland doch ständig begleitet fällt mir ein Satz ein der in irgendeiner Zeitschrift stand und der bei mir Zuhause an der Pinnwand hängt:

Im Laufe der Zeit läßt man sich in so vieles verwickeln und merkt oft garnicht wie man an Lebendigkeit verliert, in Abhängigkeiten gerät und Dinge tut, die nicht aus einem selbst heraus entstanden sind. Einmal den gewohnten Weg zu verlassen hat etwas unglaublich anregendes!

Jetzt ist es soweit, die Sonne fällt am Horizont ins Meer, so scheint es zumindest. Als sie verschwindet glühen die „Zwölf Apostel“ in ihrem Rücken rot und dunkelrot auf. allem Überfluss haben sie auch noch ein Tischtuch aufgelegt das über die Ränder hängt. Für alle die die letzten Sätze nicht so ganz verstanden haben hier noch einmal im Klartext. Die zwölf Apostel sind eine Bergkette, die sich vom Tafelberg bei Kapstadt in Richtung Süden bis zum Cape Point zieht, der Tafelberg ist der erste der zwölf Apostel. Das Tischtuch bedeutet, daß sich Wolken über der Bergkette gebildet haben die wie eine Sahnehaube über die Ränder hängt, also jetzt müsste eigentlich alles klar sein, oder? Und wenn nicht, ja dann bleibt nichts anderes übrig als sich alles in Natura anzusehen!

Nach einem, wieder mal ausgiebigem, Frühstück wollen wir heute einen zweiten Anlauf nehmen um auf den Tafelberg zu kommen. Denn in Kapstadt gewesen zu sein und den Tafelberg nicht von oben zu sehen kann ich mir nicht so recht vorstellen, das wäre denn doch sehr unbefriedigend. Also via Kloof Nek zum Kreisverkehr wo es rechter Hand zum Signal Hill, und links zur Talstation der Seilbahn geht. Die Bahn ist erst wieder seit November 1997 in Betrieb, vorher war sie fast 2 Jahre wegen Umbauarbeiten stillgelegt, damals war die Bahn noch ein ziemlich altmodisches Gondelbähnchen das die heutigen Besucherzahlen nicht mehr geschafft hätte.

Heute haben wir mehrfaches Glück, an der Kasse ist wieder kaum Betrieb, es wird keine Gedenkmünze eigeweiht, der Kassierer ist willig uns Tickets zu verkaufen und der Tafelberg hat kein Tischtuch aufgelegt, was wollen wir also mehr. Die neue Bahn ist eine Schweizer Konstruktion und kann lt. Aushang 160 Personen in einer Gondel aufnehmen. Mit einem sanften Rucken, zuerst fast unmerklich, setzt sich die Gondel in Bewegung. Jetzt erst bemerken wir den besonderen Clou der Gondel. Der Boden ist ein Drehboden d.h. er dreht sich innerhalb der Gondel, sodaß jeder Passagier bei der etwa 7 Minuten dauernden Auffahrt einen kompletten Rundblick über Kapstadt, die Tafelbucht und die False Bay hat. Ehe wir uns versehen sind wir oben und hier kann man deutlich erkennen das die Baumaßnahmen immer noch im Gange sind. Die Bergstation der Gondelbahn ist komplett neu errichtet und mit allem was für die Abfertigung von großen Besucherzahlen notwendig ist ausgestattet. In der näheren Umgebung der Station sind die Wanderwege nun sehr gut ausgebaut d.h. betoniert, sodaß auch Rollstuhlfahrer hier unterwegs sein können. Über die senkrecht abfallende Wand des Tafelbergers ragen jetzt ein paar Aussichtsplattformen die offensichtlich auch neu sind. Hier in diesem ersten Bereich, in unmittelbarer Nähe der Bergstation, herrscht ein reger Betrieb zumal auch die Bauarbeiter und Handwerker tätig sind.

Wir sehen uns an und jeder denkt wahrscheinlich das gleiche, nur weg aus diesem Trubel. Nach ein paar hundert Metern hören die betonierten Wege auf und die Pfade sind so wie sie früher schon waren, einfache, grob zugehauene Natursteinplatten die zwischen den Felsen verlegt sind. Auch hier sind einfache Aussichtspunkte angelegt. Tief unter uns liegt Kapstadt und am Hafen erkenn wir das Vergnügungsviertel -Victoria und Alfred-. Rechter Hand sehen wir die N2 übe die wir gekommen sind. Leicht links von uns ist der Signal Hill auf dem, wie ich gelesen habe, in früheren Jahren eine Schwarzpulverkanone stand, die das Einlaufen eines Schiffes in die Tafelbuch ankündigte. Der Signale Hill ist übrigens die Verlängerung des Lions Head und wird deshalb auch oft als der -Rücken des Löwen- bezeichnet. Als Ziel nehmen wir uns vor das andere Ende des Plateaus zu erreichen, können aber absolut nicht abschätzen wie weit es bis dorthin ist. Das Plateau des Tafelberges ist ziemlich eben und nur ab und zu von einzelnen niedrigen Felsformationen unterbrochen. Es ist wie am Meer  wo man sich auch bei den Entfernungen ganz grob verschätzen kann. Hier oben wächst die typische Fynboss-Vegetation des Kaps, die in über einhundert verschiedenen Arten auftritt.Wir sind nun schon über eine Stunde unterwegs und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, doch was ist das? Linkerhand vor uns schneidet doch tatsächlich eine, für hier oben schon erwähnenswerte Schlucht ins Plateau, die sich bei näherem Hinsehen bzw. Lesen der Wegekarte, als einer der Fußwege entpuppt, die aus dem Tal auf den Tafelberg führen. Ja sie lesen ganz richtig, es gibt auch einige Fußwege hier herauf. Einer dieser Fußwege beginnt z.B. bei Platteklipp kurz hinter der Lower Cable Way Station. Aber man sollte sich nicht täuschen, dies sind keine Spazierwege, die Pfade sind z.T. ausgesprochen schwierig und die Wetterbedingungen ganz unberechenbar.Das Risiko das Tafeltuch-Nebel urplötzlich die Sicht blockiert ist jederzeit da und dann ist der Pfad nicht mehr zu erkennen und ziemlich rutschig. Jedes Jahr kommen einige Menschen auf solchen Touren am Tafelberg ums Leben.Für den Aufstieg sollte man, je nach Weg, mindestens 4 Std. ansetzen. Die entsprechenden Wanderführer z.B. -Wester Cape Walks- gibt es in Kapstädter Buchhandlungen.

Da wir die Schlucht nur queren, müssen wir einmal hinab- und auf der anderen Seite wieder raufklettern, eine ganz schöne Kraxelei aber was solls, der Weg ist das Ziel, und weiter gehts. Ganz in der Ferne glauben wir jetzt das Ende des Table-Plateaus zu erkennen, aber auf eine Entfernung- bzw. Zeitschätzung will sich jetzt keiner mehr einlassen zu oft haben wir schon daneben gelegen. Hier sind jetzt auch noch kaum Wanderer unterwegs, und das ist gut so. Über das Plateau führen 3 Wege, einer am rechten Rand, einer am linken Rand und einer über die Mitte. Wir haben den linken, von der Cable-Station aus gesehen, genommen und dadurch eröffnet sich bei jede Pfadbiegung ein neuer Ausblick auf Kapstadt. Am Ende des Plateaus scheint eine strohgedeckte Hütte zu stehen, so scheint es mir zumindest. Aber dieses Ende will und will nicht näherkommen, eine ausgesprochen zähe Angelegenheit. Doch wir haben es bis hierhin geschafft und werden doch nicht so kurz vor dem Ende aufgeben. Man biegt um eine Felsecke  und denkt jetzt müßte das Ende direkt vor einem liegen aber, April April, es scheint sich nicht zu bewegen.

Karola sagt „Wie gut das wir schon heute morgen hierhin gefahren sind, sonst hätten wir diese Wanderung  hin und zurück überhaupt nicht  machen können“, dem können wir nur zustimmen, von unten hat man überhaupt keine Vorstellung von der Größe der Fläche hier oben. Und wieder geht es um eine Felsecke und ……… oh Wunder, es ist kaum zu glauben aber das Ende des Plateaus liegt tatsächlich vor uns, wir hatten eigentlich schon gar nicht mehr damit gerechnet es zu erreichen. Was ich aus der Ferne als strohgedeckte Hütte identifiziert hatte entpuppt sich jetzt als Steinhaufen und von dem haben ir einen tollen Ausblick. Linker Hand wieder Kapstadt und geradeaus geht unser Blick über die N2 hinweg ins Weinbaugebiet. Wir können ganz in der Ferne den Helderberg erkennen an dessen Fuß Klein-Akkerdraai liegt, ungefähr 30 km entfernt. 

Wir setzten uns auf die sonnengewärmten Steine, packen die Rucksäcke aus und lassen es uns erst einmal richtig schmecken. Währenddessen schweift mein Blick in Richtung Weinanbaugebiet mit den Hauptorten Stellenbosch, Franschhoeck und Paarl, dort werden in den nächsten Tagen unsere Ziele liegen!

 

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