Unterwegs in Namibias Süden, von Swakopmund in die Namib-Wüste, Ballonflug über die Dünenlandschaft des Sosousvlei

Hart wie Kameldorn………..

so must du sein wenn du hier leben willst, in Namibias Great South! Die Namib-Wüste ist das Land der Dürrefarmer, die versuchten das Land fruchtbar zu machen, dann aber aufgeben mussten weil es nicht regnet. Hier überleben nur Spezialisten ob Tier oder Pflanze, denen die Feuchtigkeit am frühen Morgen genügt, die vom Küstennebel ins Land getragen und von ihnen dann aufgefangen wird.   

      

Graue Wolkenfezten huschen am Kabinenfenster vorbei während die Maschine vor mir beruhigend gleichmäßig dröhnt und die Cessna immer höher in den Himmel zieht.Irgendwann müssen die Wolken ja nun aufhören. Mit einiger Verzögerung sind wir vorhin in Swakopmund gestartet  weil vorher eine zu dichte Wolkenschicht über dem Platz gelegen hatte, denn Sicherheit geht auf jeden Fall vor! Diese kleinen Maschinen werden auf Sicht geflogen und wenn keine Sicht ist bleibt man halt zu Hause.

Von einem Augenblick auf den anderen haben wir jetzt die Wolken durchstoßen. Helles Licht bricht sich vielfarbig in der Cockpitveglasung und sticht doch für den Moment ziemlich in den Augen. Aber ganz toll, eben noch graue Brühe und nun stahlblauen Himmel und endlose Fernsicht über den Wolken. Weit draußen glaube ich das Meer zu erkennen. Rüdiger, mein Pilot meint: „Ja wenn das so ist kannst du dir die Flugroute aussuchen, normalerweise fliege ich eine Strecke über den Kuiseb Canyon und die Rücktour dann die Küste entlang, aber bei diesen Wetterbedingungen kann ich es auch umgedreht machen“. Okay, fliegen wir die Küste entlang, denn wer weiß wie das Wetter bei meinem Rückflug ist, hier wo die kalte Benguela Störung auf die Küste Namibias trifft und Nebel und Dunst keine Seltenheit sondern eher die Regel ist.Gamnz plötzlich bricht jetzt die Wolkenschicht unter uns ab, so wie mit einem Messer glatt abgeschnitten. Wir haben jetzt freie Sicht nach unten wo sich die Wellen des Südatlantik am Sandufer der Namib-Wüste brechen. 

Unsere Maschine fliegt jetzt im Tiefflug d.h. ca. 200 mtr. Höhe die Küste entlang. „Dies ist also die berüchtigte Skelettküste, hier liegen noch die Skelette von ertrunkenen oder verdursteten Seeleuten“ sagt Rüdiger gerade beiläufig „viele Schiffe sind hier in Stürmen gestrandet weil die vor der Küste liegende Nebelbank das Festland verdeckte, und sollte jemand überlebt haben waren sie trotzdem verloren denn nun lag die endlos, wasserlose und heiße Namibias-Wüste vor ihnen“, während er dies so sagt ist sein Hauptaugenmerk eigentlich darauf gerichtet den GPS-Empfänger mit einem Sauger wieder an der Cockpitverglasung zu befestigen!

Jetzt nimmt Rüdiger den Knüppel langsam nach hinten um wieder Höhe zu gewinnen weil hinter Sandwich Bay beginnt ein Naturschutzgebiet für viele Vogelarten und deshalb ist dort eine Mindestflughöhe von 1000 mtr. vorgeschrieben.Gleichmäßig und beruhigend dröhnt weiterhin der Motor und wir nähern uns schon Concepcion Bay, dort unten sehe ich das Wrack der Shaunee die 1976 dort gestrandet ist. Wir fliegen so tief das ich halb vom Sand zugeweht Ochsenkarren und windschiefe Hütten erkennen kann. Zu diesem Piloten kann ich mich nur beglückwünschen, er ist wie ein Fremdenführer und ich muß ihm nicht jedes Wort aus der Nase ziehen. ganz im Gegensatz zu dem Piloten der uns letztes Jahr in Botswana ins Okavango-Delta geflogen hat. „Dort unten wurde ab 1903 nach Diamanten gesucht, bis dann irgendwann der Rausch vorbei war und das gesamte Gebiet, die Küste runter bis Oranjemund, an eine Diamantengesellschaft zur Ausbeutung verpachtet wurde. Damals ließen die meisten Leute alles stehen und liegen und zogen ab um neue Claims zu suchen, oder aber sie gaben einfach auf! Wenn du dort unten suchst kannst du ohne große Schwierigkeit sogar noch liegengelasene Schaufeln finden o.ä., in diesem Klima wird alles konserviert. Aberseh voraus, dort liegt noch das Wrack bzw. der Rest vom Passagierschiff „Eduard Bohlen“ das 1909 dort gestrandet ist“.

Während die Maschine jetzt langsam nach links abdreht denke ich so für mich, wie werden die Menschen dort unten in dieser Einöde mit Hitze, Staub und vielen Entbehrungen wohl gelebt haben während sie ihrem Traum von Reichtum nachgelaufen sind, und wie viele werden ihren Traum am Ende wohl verwirklicht haben?

Dies ist nun Wüste pur, allerdings eine Sand- und Geröllwüste. Wir haben nun eine Flughöhe von ca. 1.200 mtr. Hin und wieder taucht eine Baum- oder Buschgruppe auf und ich frage mich wie diese Pflanzen hier überleben, schließlich ist hier das Gebiet der sogenannten „Dürrefarmer“ in dem mehr Wasser verdunstet als wieder zugeführt wird? Weit draußen liegen jetzt die Sanddünen des Sossusvlei und unter unter mir kann ich die Gebäude der Karoos-Lodge erkennen die aus dieser Höhe irgendwie wie weggeworfene Schuhkartons aussehen.

Unmerklich haben wird doch schon ziemlich an Höhe verloren und Rüdiger drückt die Maschine immer weiter nach unten.“Wir müssen gleich da sein, aber ich habe die Piste noch nie angeflogen und werde sie mir deshalb erst einmal von oben ansehen“ meint er. Ich kann im Moment weit und breit nichts von einem Flugfeld erkennen. Doch, da voraus she ich jetzt auch zwei farbige Punkte in der Landschaft. Der Höhenmesser zeigt noch etwa 400 Fuß und die farbigen Punkte entpuppen sich als zwei Ölfässer, die offensichtlich den Anfang und das Ende der Piste markieren. Sie liegt inmitten einer Steingeröllwüste und nur die Start- bzw. Landebahn ist einigermaßen geräumt. Ein Landen außerhalb ist unmöglich und kann nur in einem ziemlich Crash enden. Wie jede gute Buschpilot fliegt Rüdiger erst einmal die gesamt Strecke der Piste im Tiefflug ab um evtl. Hindernisse zu erkennen bzw. auf der Bahn befindliche Tiere zu verjagen. Jetzt am Ende der Bahn zieht er die Maschine noch einmal nach oben und leitet dann den Landeanflug ein. Es ist zwar eine ziemlich holprige Landung, Abe kein Wunder bei diesen Bodenverhältnissen.

An für sich soll ich jetzt hier abgeholt werden Abe im Moment ist noch niemand in Sicht. Rüdiger reicht mir meine Tasche aus der Maschine „Bis jemand kommt bleibe ich auf alle Fälle hier“. Aber gerade jetzt erscheint eine Staubfahne in der Ferne, die schnell näher kommt und sich als ein offener Toyota Landcruiser entpuppt. Ein nicht allzugroßer, braungebrannter Mann steigt aus „Hi, ich bin Mike und du sicher Roland, willkommen in der Namib, sorry wir waren noch den Gasbrenner am reparieren und deshalb hat es einen Augenblick länger gedauert bis ich hier war“.

„Okay, dann ist ja alles klar und ich mache mich wieder vom Acker, wann willst du wieder abgeholt werden“ sagt Rüdiger, während der Propeller der Maschine sich schon wieder anfängt zu drehen. „Sagen wir so in zwei Tagen gegen 15 Uhr, oder noch besser ich sage dir morgen über Funk Bescheid dann habe ich noch etwas mehr Spielraum für 1-2Tage länger“.“Okay, wenn ich wieder in Swakopmund bin kläre ich das mit der Firma und geben dir über Funk Bescheid ins Camp“. ich packe meine Tasche, während Rüdiger die Maschine wendet. Holpernd, leicht schlingernd und in einer Staubwolke nimmt sie allmählich Fahrt auf um dann schon nach kurzer Zeit in den blauen Himmel aufzusteigen!

Während Mike den Landcruiser sicherer über die steinig und holprige Pad steuert Karte er mich in Stichworten über die Landschaft hier imNamib and Nature Reserve auf.“Hier findest du alle Arten von Wüssten, Sand- , Geröll und Steinwüste, hier ist das Land der Dürefarmer, die versuchen damals dem mehr als kargen Boden noch etwas abzuringen.Inzwischen haben aber alle wegen de absoluten Trockenheit aufgegeben. Nur hier und da werden noch kleine Herden von Karakulschafen gehalten denn wer hier seinen Lebensunterhalt verdienen will bußwirklich härter sein als Kameldorn. Ja, und für den morgigen Ballonflug müssten halt Wetter, Wind und Thermik stimmen um alles weitere würden er und seine Crew sich kümmern“! Voraus kann ich nun schon das Camp sehen, fünf größere Zelte, ein Haupthaus und einen blaßgrünen Iglu. „Ja in dem Iglu wohne ich mit meiner Frau, den haben südafrikanische Eisenbahnbauer hiergelassen“, nun, dann ist alles klar. Gerade kommt eine Frau heraus „Hey, ich bin Jenny, ich habe eure Staubwolke schon gesehen und nach Swakopmund gefunkt das du gut hier angekommen bist, jetzt komm erst einmal herein für ein spätes Frühstück“. „Was sagt denn der Wetterbericht für morgen, kein zu starker Wind denn der kann bei Sara und Landung eines Ballons extrem gefährlich sein?“ Jenny hat aber schon den Wetterbericht gecheckt und kann nur gutes berichten. Hier im Haupthaus ist der Speisesaal, das Büro und in einer Ecke noch die Funkbude untergebracht. Hinter dem Haus sind offensichtlich noch Garagen und eine Art Werkstatt.

„Du bist im Moment der einzige Gast, aber heute kommt noch einsüdafrikanisches Ehepaar , das beim Ballonflug ebenfalls dabei ist“ meint Mike, während wir durch den Sand zu meinem Zelt stapfen. Das Zelt steht auf einem Holzunerbau und hat vorne sogar eine klein Veränderungen auf der zwei stoffbezogene Metallklappstühle stehen und irgendjemand hat auch dort mein Minigepäck abgestellt. „Einer mein Leute wird dir gleich noch Decken bringen, für die Nacht denn dann wird es hier immer verdammt kalt, obwohl man sich das bei der jetzigen Hitze kaum vorstellen kann. Heute Nachmittag so gegen 16 Uhr, wenn die Temperatur wieder etwas gemäßigter ist, mache ich noch eine Kontrollfahrt auf dem Gelände, wenn du Lust hast kannst du mitkommen komme einfach zum Haupthaus“.

Die fünf Zelte stehen, wie schon gesagt auf einem Holzunterbau und sind entlang einer Düne gebaut und hier habe ich einen tollen Ausblick in die Landschaft des Namibias-Naukluft Parks. Die Lage der Zelte hat aber für Mike einen Nachteil, da sie im Wege einer Wanderdüne stehen muß alle paar Wochen eine Zelt ums andere abgebaut, und ein paar Meter weiter wieder aufgebaut werden.

Man, diese Hitze schlaucht ganz schön und ich denke es ist erst einmal das beste sich auf Ohr zu hauen und Siesta zu halten, dann kann ich ja weitersehen.Icxh reibe mir die Augen, da bin ich doch tatsächlich eingeschlafen und wenn ich jetzt so die Schatten sehe muß die Sonne doch schon etwas tiefer stehen. Dem Zauber der Landschaft bei tief stehender Sonne kann man sich nicht entziehen. Ein leichter Wind ist aufgekommen und treibt über die Dünenflanken feine Sandkörner herab, die bei den starken Lichtkontrasten deutlich zu sehen sind. wenn ich ganz still bin kann ich sie vielleicht hören, die Düne! Sie glauben mir nicht, doch das gibt es wirklich, hier sagt man dazu -Die Düne singt-, und dann gibt es noch den Ausdruck -Die Düne brummt- das ist, wenn größere Sandmengen an der Dünenflanke ins Rutschen geraten ähnlich wie bei einer Schneelawine, nur viel kleiner, ja und dann kann man die Düne wirklich brummen hören! Das Farbspiel beim Sonnenuntergang ist wirklich faszinierend, je tiefer die Sonne sinkt desto mehr changieren die Farben zu einem rötlich-hellbraun. Dieses Farbspiel erinnert  mich an meinen Aufenthalt in Kapstadt, dort konnte ich ein ähnliches Farbe-Schauspiel bei Sonnenuntergang an den „Hottentods-Holland Mountains“ bewundern. In dieser  merkwürdigen Stimmung fällt mir auch wieder ein Sprichwort der San (Buschmänner) ein -Du kommst und du gehst, aber wenn du wiederkommst wirst du für immer bleiben- !

Ich bin wach geworden, es ist kalt und es sind erst fünf Uhr, aber ich muß aufstehen. Schlaftrunken stecke ich die Nase aus dem Zelt, draußen ist es noch stockdunkel. Der Stromgenerator  ist wahrscheinlich auch noch nicht in Betrieb aber wozu habe ich die Taschenlampe die an de Zeltstange baumelt. Hier in der Namib, im Süden Namibias muß man manchmal früh aufstehen um einmalige Eindrücke und Ausblicke zu haben. Über mein Hemd ziehe ich noch schnell einen Pullover und eine Jacke, hier ist Zwiebeltechnik angesagt.

Im Haupthaus brennt doch schon Licht d.h. es gibt auch schon heißen Tee und den brauch ich jetzt um die Lebensgeister zu wecken. Trotz der Dunkelheit herrscht schon reger Betrieb. Im Licht der Autoscheinwerfer wird ein Pritschenanhänger angekuppelt und einige noch nicht genau identifizierbare Gestalten bringen große rund Packen angetragen. Ich hatte Recht, im „Speisesaal“ hat Jenny einige große Kannen mit heißem Tee bereitgestellt und auf einem Teller liegt auch etwas zu Essen. Rufus und Marie, die gestern Nachmittag aus Südafrika noch eingetroffen waren kommen auch gerade zur Tür herein und sehen auch noch nicht  gerade hellwach aus. „Hi, good morning“ zu mehr ist im Moment noch keiner in der Lage und das finde ich gut, denn nichts ist für mich schlimmer als jemand der am frühen Morgen schon Bäume ausreisen will! „Also komm ihr jetzt oder es geht ohne euch los“ ruft Mike von draußen. Zitternd tasten sich die Scheinwerfer des Landcruisers über die Path und Mike meint das wir gut in der Zeit liegen. Am Horizont erscheint der erste Schimmer des heraufziehenden Tages. Anscheinend mitten im nirgendwo halten wir an und die Crew rollt die großen runden Packen vom Anhänger. Heraus kommt eine Heißluftballonhülle, die jetzt von sechs Händen im Sand ausgebreitet wird und die Leinen sowie Steuerschnüre entwirrt und richtig ausgelegt werden, den dies ist für eine gute Ballonfahrt lebenswichtig. Mike baut inzwischen schon das Motorgebläse auf. Mein Blick geht zum Horizont, der nun doch schon merklich heller geworden ist und die Landschaft jetzt in ein ungewisses Grau einfärbt, wir sollten also allmählich in die Gänge kommen!

Schnipp ….., dieses Geräusch, verbunden mit einem kleinen Knall lässt mich herumfahren, aber es ist nichts schlimmes passiert, im Gegenteil. Mit einem Feuerzeug hat Mike den Gasbrenner entzündet und reguliert solange bis aus der rotglühenden Flamme eine blaue Flamme wird, die unter Donnergetöse mit Hilfe des Motorgebläses in den Ballon bläst. Die Crew hält die Ballonöffnung weit offen. „Alles klar, wir sind gut in der Zeit“ meint Mike, nun ja er wird es wohl wissen. Langsam richte sich der Ballon auf und der unten angebrachte Korb steht auch schon senkrecht. Außen am Korbrand werden kleine Sandsäcke befestigt während der Rest der Crew den Ballon am Boden festhält, jetzt ist Fingerspitzengefühl am Gasbrenner gefragt. Wir klettern über den Korbrand ins innere des Korbes der jetzt von der Crew nur noch mit Mühe am Boden festgehalten werden kann. Mike gibt Gas-, ein hochaufschießende blaue Flamme donnert ins Balloninnere und langsam, zuerst unmerklich erheben wir uns in die Luft. Langsam werden die Steine der Wüste unter mir kleiner, sie sind der einzige feste Anhaltspunkt an dem ich erkennen kann das wir Höhe gewinnen. Bis eben gerade konnte ich die Bodencrew mit dem Landcruiser noch als festen Punkt wahrnehmen doch sie sind inzwischen abgefahren und nur Mike hat über Funk noch Verbindung mit ihnen. Bei wenig Gas ist es ein lautlosen dahingleiten über die Sanddünen. Bei dieser Lautlosigkeit verliere ich ganz schnell das Gefühl für Geschwindigkeit und Höhe. „Ein Auge zumachen und einen festen Punkt auf der Erde anpeilen dann kannst du ungefähr abschätzen wie schnell wir wirklich sind“ rät Mike. Die Sache hat nur einen Haken, hier über der Sandwüste einen festen Punkt ausmachen könnte u.U. etwas schwierig werden!

Nach einem ungewissen Zwielicht schickt die Sonne nun doch ihre ersten Strahlen allmählich über den Horizont, dadurch werden die vielfältigen Konturen der Sanddünen messerscharf gezeichnet und fast schon unwirklich hervorgehoben. Immer höher schiebt sich der Sonnenball übe den Horizont und bringt damit auch noch wechselnde Farben ins Spiel, es es unglaublich und eigentlich nicht zu beschreiben man muß es einfach gesehen haben!! Genau das ist es weshalb ich heute morgen schon vor Kaffee aufgestanden bin: Sonnenaufgang über der Namib Wüste, eine der ältesten Wüsten unseres Planeten, und das ganze auch noch aus einem Heißluftballon!

Ich komme mir jetzt hier im Ballonkorb doch sehr klein und unwichtig vor. Niemand sagt ein Wort, denn durch die ständig wechselnden Farben ist die gesamt Landschaft einem immerwährenden Stimmungswechsel unterworfen, der sich nahtlos auf uns überträgt. Dies alles läßt sich einfach  nicht beschreiben, so etwas muß man erleben und genießen.

Ein zischendes Geräusch und dann dumpf donnernd, Mike hat wieder einmal -Gas- gegeben und eine lange blaue Flamme schießt lang ins Balloninnere. Unmerklich gewinnen wir wieder an Höhe. Tief unter mir auf der Path sehe ich ein Fahrzeug bzw. die Staubfahne. Dies ist wohl unsere Bodencrew denn sonst ist hier weit und breit kein Mensch unterwegs. Der leichte, launische  Morgenwind ist etwas aufgefrischt und schiebt uns nun langsam in Richtung der Dünenlandschaft des Soussusvlei. Allmählich wird es wärmer und jetzt bewährt sich meine Zwiebeltechnik beim Anziehen. Die leichte Jacke ist schnell ausgezogen und der Pullover darunter wird wohl auch in Kürze fällig sein. Um Höhe zu gewinnen  öffnet Mike einige der außenhängenden  Sandsäcke um Ballast abzuwerfen. Im Funkgerät knistert und knackt es, die Bodencrew fragt unsere Fahrtrichtung ab, denn anders als in der freien Namib wo sie uns überall hin folgen konnte ist dies im Sossusvlei nicht möglich. Hier versperren immer wieder  Sanddünen den Weg und man muß sich an die wenigen Sandpisten halten kommt aber auch dort im z.T. tiefen Sand nicht besonders gut voran. Diese Dünnenlandschaft habe ich schon auf vielen Bilder gesehen, meine Vorstellung wird aber von der Wirklichkeit übertroffen. Jetzt und hier beschließe ich noch einen Tag länger hierzubleiben und morgen mit einem Führer und Fahrzeug in diese Dünenlandschaft hineinzufahren. Dies alles muß ich nachher im Camp regeln aber Mike meint jetzt schon daß dies wahrscheinlich möglich sein wird. „Wir nehmen nachher einmal Funkverbindung mit Wolwedans Dune Camp auf , die haben in der Regel immer Führer und Fahrzeuge da, bzw. an der Hand“. Das scheint positiv geklärt zu sein und so kann ich mich wieder ganz entspannt den immer wieder neuen Panoramen widmen.

Über uns der blaue Himmel unter uns die Dünen, bei diesem langsamen Dahingleiten verliert man schnell das Gefühl für Zeit und Raum. Allmählich komme ich mir vor wie in einem Theater mit ständig wechselnden Schiebekulissen, und ich habe einen Logenplatz! Wir sind jetzt nicht mehr so hoch und ich kann unten inmitten der Sanddünen niedrige Sträucher und sogar struppig Bäume erkennen, wie können die dort überleben? Aber ich will Mike nicht ständig mit Fragen löchern zumal der gerade wieder Kontakt mit der Bodencrew aufgenommen hat. Diese Frage kann ich auch morgen dort unten noch meinem Führer stellen.

Der Wind hat gedreht und die Thermik läßt jetzt doch spürbar nach. Mike spricht gerade mit der Bodencrew und gibt unseren ungefähren Landeplatz an. „Ich kenne da mehrere gute Plätze und versuche einen von ihnen anzusteuern. Steine und Geröll sind immer schlecht bei der Landung, Sand ist immer besser“ sagt er und lässt dabei die Steuerleinen durch die Hände gleiten. Eine Hand am Gasbrenner, eine an den Steuerleinen bietet er jetzt ein Bild der vollkommenen Konzentration. In den Ohren merke ich das der Ballon ziemlich schnell an Höhe verliert, die einzelnen Steine am Boden werden immer größer und der Ballonschatten, der immer schneller über die Erde huscht wird immer länger. Jetzt ist auch die Geschwindigkeit besser einzuschätzen und die ist nicht gerade langsam! „Beim Landen gut festhalten und im Korb abducken“, immer wieder wird heiße Luft abgelassen es kann sich nur noch um wenige Meter handeln! „Festhalten“ ruft Mike, noch einmal ein Zug an den Leinen, der Ballon scheint einen Augenblick in der Luft stillzustehen, um dann nur noch wenige Zentimeter nach unten abzusacken und auf der Erde aufzusetzen. Aber selbst diese wenigen Zentimeter und der Ruck des Aufsetzen gehen noch ganz schön in die Knie. Die Bodencrew ist schon da, packt an den Leinen um den Ballon zu bändigen. Mit routinierten Handgriffen ist der Ballon zusammengelegt, verpackt und auf dem Anhänger verstaut.

Diese Piste ist nun wirklich das reinste Wellblech, durchgeschüttelt bis in den letzten Knochen fahren wir gerade durchs Gate. Mein Magen hätte nun doch etwas an Nachschub nötig, vor allem an flüssigem, aber man kann nicht alles haben oder doch? Wahrhaftig, Jenny hat im Haus eine reichliche Mahlzeit bereitgestellt. Woher sie hier wohl die frischen Brötchen hat, nun ja das soll ihr Geheimnis bleiben! Beim Essen kommt nun wieder mein Unternehmungsgeist zurück „Wie wäre es heute Nachmittag mit einer Fahrt nach Sesriem, der Canyon würde mich schon interessieren zumal er ja auch Auswirkungen auf den Sossulvlei hat“. „Okay, dann sollten wir aber nicht zu spät fahren, sagen wir so gegen 14 Uhr“! Jenny hat unsere letzten Worte gehört und schüttelt nur den Kopf „Ihr seid ja verrückt, während der großen Hitze“.

Im Zelt ist es stickig heiß, so richtig gut ausgeruht bin ich zwar nicht aber mein Zeiteisen zeigt 13.30 Uhr und wenn ich vor der Abfahrt noch etwas essen will muß ich mich wohl erheben.Mike prüft gerade den Ölstand des Toyota, „alles klar, in 10 Minuten geht es los“. Sesriem war für mich bisher nur ein Punkt auf der Landkarte, Aber Mike erklärt mir das das eigentlich kein Ort ist sonder nur ein gut ausgestatteter Campground mit Duschräumen. die Campplätze liegen z.T. sogar im Schatten von Akazien, ein Luxus den man hier nicht erwartet. Inzwischen wurde auch eine Lodge und das Entrance-Office für den Sossusvlei neu erbaut. Und noch ein Tip, wer von Norden, also vom Kuiseb Canyon kommt, sollte unbedingt die Tankmöglichkeit in Solitäre nutzen, denn hier ist zwar auch eine Tankstelle aber ob die auch Benzin hat, darauf solle man sich nicht verlassen! Nach den Einfahrt Formalitäten sind wir noch einige Kilometer gefahren und haben dann unseren Toyota abgestellt um zu Fuß weiterzugehen. „Und wo ist hier der Canyon?“ frage ich gerade, „Laß dich überraschen und falle nicht hinein“. Recht hat er, wir stehen sozusagen gerade davor, in der flachen Sandsteinebene ist urplötzlich ein breiter Spalt im Boden, wir hätten 100 mtr. entfernt daran vorbeigehen können ohne den Canyon auch nur zu erahnen. Mike hält sich nun etwas links und wir erreichen eine Stelle an der man ohne größere Problem in den Canyon steigen kann, links und rechts an den Wänden sehe ich Geröll und Sandstein. „Wie kommt ein Canyon hierhin“ frage ich, „Nun ja, du kannst es nicht sehen Aber hier fließt ein ein Fluss, allerdings unterirdisch, nur wenn es in den Naukluft-Bergen nördlich von uns regnet, fließt hier im Canyon auch das Wasser oberirdisch, vielleicht sind an sonnengeschützten Stellen noch einige Pools vorhanden. Der Fluss der hier fließt ist der Tsauchab River der bis in den Sossusvlei hinein reicht und dort eine unverzichtbare Rolle spielt. Alles hängt hier irgendwie zusammen“! Unsere Stimmen hallen hier am Canyongrund ziemlich dumpf, an manchen Stellen verengt sich der Canyon auf wenige Meter und das Sonnenlicht kann nur bei senkrechtem Sonnenstand hereinfallen. „Der Name Sesriem kommt übrigens von den ersten Siedlern, das waren die sogenannten -Treck-Buren- die mit ihren Ochsengespannen hier vorüberzogen, die mussten sechs Riemen aus Ochsenleder zusammenknüpfen um dann mit einem Eimer Wasser aus dem Canyon schöpfen zu können. Die Buren hatten damals schon einen weiten Weg aus Südafrika hinter sich, hatten den Oranje überschritten und waren weit in unbekanntes Land vorgedrungen. Sie waren durch große, wasserlose Wüsten gezogen und ein Wasserloch war ein unschätzbarer Vorteil. Du solltest einmal -Verheißene Erde- lesen, da werden die Trecks der Buren ausführlich beschrieben.

Hier ist es angenehm kühl und eigentlich will ich gar nicht mehr aus dem Canyon. Aber Mike hebt seinen Am mit der Uhr, und er hat ja recht, wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück im Camp sein! „Du wirst morgen früh so gegen 9 Uhr abgeholt, vom Camp bis nach Sossusvlei sind es ca. 105 km, Aber unterwegs gebt es so viel zu sehen und erklären das ihr mit Sicherheit einige Stunden unterwegs seid“.

Auf meinem Bett im Camp liegen noch ein paar Wolldecken mehr, nachdem ich irgendwann gesagt hatte das die letzte Nacht doch ziemlich kalt gewesen wäre. Heute Abend werde ich sicherlich noch lange vor dem Zelt sitzen, und den Tage noch einmal an mir vorübergleiten und ausklingen lassen. Bei so einer Rückschau fallen mir immer wieder viele Kleinigkeiten des Tages wieder ein.

Ich bin gerade beim Frühstück da kommt er herein! „Hi ich bin Frederick und heute dein Führer im Sossusvlei. Du kannst aber noch in Ruhe frühstücken ich bin schon etwas früher als ausgemacht gekommen“. Dann geht er wieder hinaus und ich sehe wie er mit Mike zusammen den Kopf in den Motorrad des Toyota steckt. 

Auch heute ist die Strecke nicht besser als gestern und der aufgewirbelte Staub wird vom Wind schräg in die Namib getragen. Aber je öfter ich auf diesen Wellblechpisten unterwegs bin desto normaler erscheinen sie mir. Die Einfuhr- Modalitäten beim Tor am Sesriem-Office sind schnell erledigt und der Rancher wünscht uns noch -Gut Pad-, Frederick ist hier bekannt und deshalb geht alles sehr schnell. Die Piste führt über eine Kiesebene und wird nach wenigen Kilometern von gelblichem Lehm abgelöst. Die Pad geht durch einen Trockenfluß. „Das ist das Flussbett des Tsauschab, der hier allerdings die meiste Zeit unterirdisch fließt. Er fließt bis ins Vlei und du kannst seinen Lauf gut verfolgen selbst wenn er nur unterirdisch ist“. Links und rechts wird die Piste jetzt von hohen Sanddünen begleitet an deren Fuß ich, dem ersten Anschein nach zu urteilen, abgestorbene Bäume sehe. „Die meisten diese Bäume leben noch, sie haben sich nur den hier herrschenden klimatischen Bedingungen angepasst. Ihre Wurzeln reichen tief in die Erde bis an das periodisch fließende Wasser des unterirdischen Tsauschab River“.

Inzwischen ist die Piste so schlecht geworden das Frederick seitwärts in den Sand ausweicht in dem schon etliche weitere Spuren verlaufen, Platz ist ja genug hier! „Die großen Dünen von Sesriem bis ins Vlei sind durchnummeriert damit man Anhaltspunkte hat, da vorne links, da ist eine Düne die schon unendlich viele Male als Fotomotiv gedient hat, Dune 46“. Wir biegen links von der Hauptpiste ab  um das kurze Stück bis zum Dünenfuß zu fahren. Jetzt komme ich auch zum ersten Mal in die Nähe von einem der Bäume die uns, wie ich vorher schon erzählte, schon ein ganzes Stück am Fuße der Dünen begleiten. Hier handelt es ich offenbar um eine Akazie, die tatsächlich ein leicht verschossenes Grün trägt. Am Boden liegen abgebrochene Zweige und Äste. Auf einen derselben hocken wir uns  und sind still, einfach ganz still. Der Wind fegt über den Dünenkamm und ich sehe deutlich wie die Sandkörner als Sandfahnen in weitem Bogen durch die Luft wehen. Diese Düne ist wahrscheinlich schon aus allen möglichen Perspektiven abgelichtet worden, aber ich kann der Versuchung einfach nicht widerstehen und muß auch noch ein paar Aufnahmen machen!

„Hier ist überhaupt ein Gebiet für Überlebenskünstler die sich an die hier herrschenden extremen klimatischen Bedingungen hervorragend angepasst haben“ meint Frederick, „siehst du dort die niedrige grüne Pflanze, die anscheinend übe den Sand kriecht? Das ist die Nara, eine Grurkenart mit Früchten die wie Melonen aussehen. Für diese Planzen ist wiederum der Küstennebel sehr wichtig. Die vor der namibischen Küste fließende kalte Benguelaströmung, die aus dem Südatlantik kommt, erzeugt an der Küste einen Nebel der dann ins Landesinnere zieht, eben auch hierhin, und der dann als Tau niedergeht, dieser Tau genügt diesen Planzen dann als Feuchtigkeit.Hier gibt es auch z.B. Käfer, die morgens auf den Dünen sitzen, den Tau mit ihrem Rücken auffangen um dann, wenn die Sonne hochkommt, sich wieder im Sand zu vergraben. Sie haben ihre Portion Feuchtigkeit für den Tag schon aufgenommen. , und so gibt es noch viel mehr Beispiele, nachher im Vlei kannst du noch einige davon sehen. Die Wüste ist nicht tot, im Gegenteil, sie lebt“!! Ich denke kurz nach, ja das mit dem Küstennebel kann ich bestätigen, bei meinem Hinflug habe ich ihn selbst gesehen!

Die Pad wird nicht besser, wir müssen immer öfter neben der Piste durch den Sand fahren. Links und rechts begleiten uns wieder Dünen wie an der Schnur aufgereiht. Weit entfernt kann ich ein paar Strauße ausmachen. „Gleich sind wir da, und für Autos ohne Allrad ist hier schon Schluß“ meint Frederick und zeigt auf einen kleinen Parkplatz auf dem allerdings jetzt kein Auto steht. „Ab hier dürfen nur noch 4×4 Fahrzeuge weiterfahren wegen dem tiefen Sand. Aber es gibt immer mal wieder welche die meinen man könne es ja mal versuchen. Das ist besonders Nachmittags gefährlich, denn wenn man einmal feststeckt muß jemand dasein der einen rauszieht, und das am späten Nachmittag noch jemand kommt ist nicht sehr wahrscheinlich! In der Regel bedeutet dies eine kalte Nacht im Auto Sossusvlei“.

Vor uns liegt jetzt die Tonpfanne des Sossusvlei, ringsum von Sanddünen eingeschlossen. Ich kann mir hier jetzt gerade nicht vorstellen das, wenn es weit oben in den Naukluft Bergen regnet, der Tsauchab so viel Wasser führt das sich hier diese Tonpfanne mit Wasser füllt und einen See bildet. „Doch das ist aber so, und dann solltest du einmal sehen wie sich die Tiere am Ufer sammeln, und du must dir dann das Bild vorstellen vorstellen, vor dir das Wasser, am Ufer die Tiere und direkt dahinter dann die Sanddünen, ich kann dir sagen so etwas vergiß man nie“! „Ja und wohin verschwindet dann das ganze Wasser wieder oder verdunstet es komplett“? „Ein Teil verdunstet aber ein guter Teil versickert, fließt unter den Dünen durch und erreicht unterirdisch den Atlantik ca. 60 km von hier“. 

Im spärlichen Schatten eines Kameldornbaumes haben wir uns auf den Boden aus Salzkristallen gehockt. Frederick hat die Kiste mit Essen und Trinken ausgepackt und so machen wir sozusagen Siesta. Nach seinem französisch klingenden Namen gefragt meint er „Ja, meine Vorfahren waren französische Hugenotten , die damals um 1700 aus Frankreich vertrieben und in aller Welt verstreut wurden. Doch das ist lange her und heute fühle ich mich als echter Namibier. Aber weißt du was das Wort Sossusvlei überhaupt bedeutet? Das Wort -Sossus- kommt aus der Nama Sprache und bedeutet soviel wie „Blinder Fluß“, ein Fluß der sein Ziel nicht erreicht“!

Im Blickfeld vor uns liegt die sogenannte S-Dune weil der Dünenkamm wie ein S geschwungen ist. Auch hier wieder der typische Bewuchs mit Kameldorn, Nara und der Welwetschia, die ein biblisches Alter erreichen kann (einige tausend Jahre), hier und da sehe ich auch Antilopen unter Sträuchern. Kaum zu glauben das die hier Überleben können, doch sie sind von Natur aus an die klimatischen Bedingungen angepasst, sie haben kaum eine Verdunstung nach außen und selbst ihr Urin wird für den körpereigenen Flüssigkeitshaushalt genutzt. „Weißt du übrigens das die Welwetschia im Prinzip nur aus zwei Blättern besteht, die sich dann immer teilen! Auch sie holt sich ihre Feuchtigkeit vom Seenebel der Küste“. Auf mich macht die Welwetschia allerdings immer einen etwas trostlosen Eindruck wenn sie mit ihren zerfaserten, verschlungenen Blättern, die anscheinend auch noch halbverdorrt sind, in der Wüste liegt.

Wir hocken immer noch unter dem Kameldornbaum, die Schatten sind aber länger geworden und auch die Dünen haben ihre Farben schon mehrmals gewechselt. Leider können wir denSonnenuntergang hier im Vlei nicht erleben, es ist sicher wunderschön wenn der Feuerball der Sonne zwischen den gewellten Dünenkämmen verschwindet. Aber vor Einbruch der Dunkelheit müssen wir wieder in Sesriem sein, denn Campen hier im Vlei ist nicht erlaubt!

Mit etwas Wehmut im Herzen helfe ich wieder alles einzuladen, aber eines weiß ich jetzt mit Gewissheit:

Ich habe mir einen Traum wahrgemacht!

 

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